BLUMENKINDER

Gemeinsam mit Tomtes ehemaligem Bassisten und bis heute noch aktivem Musiker und Produzenten Stemmi nahmen die Blumenkinder 1998 ein wahnsinnig gutes Album auf. Spex, Intro, Musikexpress – niemand berichtete jedoch. Lediglich ein recht undifferenziertes Review in der Ox erschien, bei dem bemühte Tocotronic-Vergleiche angestellt wurden. Warum nur ist die Platte so untergegangen? Es fehlte schlichtweg an professionellen Strukturen in Sachen Vermarktung, so scheint es.

Tatsächlich korrespondiert die Musik der nord-niedersächsischen Band mit der, des damaligen Hamburger-Trios rund um von Lowtzow: Ein ähnliches Arbeiten mit auf Anschlag verzerrten offenen Gitarrenakkorden ist zu vernehmen, der gesamte Drive hat etwas von Tocotronics Frühwerk, ja. Jedoch sind Blumenkinder allgemein rougher, dabei aber nicht weniger melodiös und zugänglich.

Irgendwo zwischen Punk und Hamburger Schule mögen die Stilmittel der Blumenkinder verortbar sein, aber die Musik ist ambivalent und hat die Welt der damals noch unter 20-Jährigen mit einiger Brachialität im Klang und viel Fragilität in der Lyrik eingefangen: Ganz wunderbar ist das – nicht nur als Zeitdokument. Die Melancholie, die punkigen Ausbrüche, überhaupt die Dynamik der Songs sind etwas, was nach wie vor körperlich und geistig bewegt und einen abtauchen lässt. Selbststudien beweisen: Diese Musik bringt einen zum Fühlen und Denken gleichzeitig – eine zeitlose Erfahrung!

„Hör mal zu mein Freundchen“ gibt es via The Honeypump überall im Audio-Stream.